Das stimmt alles,
Aber das Wichtigste ist doch:
Man muss vor dem Kauf wissen, was einem wichtig ist und wofür man das Auto benötigt und darauf seine Entscheidung abstimmen.
Wenn man hinterher bemerkt, dass das Auto nicht zu mir passt, dann liegt es nicht am Wagen ,sondern an mir bzw. meiner schlechten Recherche vor dem Kauf.
Da stimme ich Dir grundsätzlich schon zu.
Aber:
Gerade beim Umstieg vom Verbrenner zum Elektroauto kann es meines Erachtens schon leicht passieren, dass man manche Elektromobilität-spezifische Dinge falsch einschätzt, die sich in der Praxis anders ergeben als vorher "auf dem Papier". Oder gar nicht auf dem Schirm hat. Oder sich sehr schnell ändern. Das ist dann schon was anderes als Kofferraumgröße und Beinfreiheit der Rücksitze 😉
Einige Beispiele:
Reichweite: Theoretisch für den Alltag satt ausreichend, auch unter Berücksichtigung, dass WLTP viel zu optimistisch ist. Wenn man aber nicht zu Hause laden kann, stellt man fest, dass auch im Alltag und Mittelstrecken (und nicht nur auf der eher seltenen Langstrecke) nicht immer dann eine Ladesäule zur Hand und auch frei ist, wenn man sie unter Ausnutzung der optimalen Reichweite benötigt. Den Akku fast leer fahren weil auf dem Parkplatz am Ziel ja eine (oder zwei) AC-Ladesäulen stehen, die dann vielleicht nicht belegt/blockiert sein könnten? Vergiss es!
Ladegeschwindigkeit: Im normalen Alltag ist es - im Gegensatz zur Langstrecke - nicht immer weit genug zum nächsten DC-Lader, um die Vorkonditionierung noch viel bewirken zu lassen.
Erst recht nicht, wenn der Akku eigentlich noch "zu voll" ist für hohes Ladegeschwindigkeit - aber zu leer, um damit noch ans Ziel zu kommen. (Aber bei den üblichen Schönrednern ist ja dann immer auf dem Weg zum Ziel genau zwischen 5 und 10% und wenn die Vorkonditionierung das Maximum erreicht hat ein freier Schnelllader des Anbieters, von dem man ein Abo hat 😜) Dann ist es eher mau mit der eigentlich als ausreichend erachteten Ladegeschwindigkeit.
Ladeinfrastruktur : Der Ausbau der Ladeinfrastruktur verliert nicht nur an Tempo, sondern findet - zumindest in meinem Umfeld - nur durch "Apotheken" (Pfalzwerke, MER, Circle-K, Allego etc.) statt und/oder oft sogar nur mit 1-2 Ladesäulen. Wenn man sich daran "vorbeihangeln" will und auch öfter mal besetzte/blockierte Ladesäulen erlebt hat, kommt man in der täglichen Praxis gaaaanz schnell von der theoretischen Strategie ab, den Akku möglichst leer fahren zu wollen. Vielmehr läuft dann das Programm "Günstige freie Ladesäulen an einem Ort und Zeitpunkt, wo es passt? Sch... auf den SoC und maximale Ladegrenze!"
Daher werde ich beim nächsten Auto - sofern es überhaupt wieder ein Elektroauto wird - eher darauf achten, ob es auch im oberen SoC-Bereich ordentlich lädt und weniger auf die glänzende Prospekt-Angabe einer Peak-Ladeleistung bei 10% mit vollständig vorkonditioniertem Akku.
Und VW/CUPRA hat da doch eher sein Stammpublikum mit "Mein Haus, meine Garage, meine Wallbox, meine täglich immer gleiche Pendelstrecke" einerseits und "Ich ballere mit dem Firmenwagen auf Langstrecke und Ladekosten interessieren mich nicht" andererseits im Focus.
P. S. : Das ist natürlich nur meine persönliche Ansicht und Erfahrung! Wenn man alle Kosten von seinem Arbeitgeber bezahlt bekommt und/oder zu Hause an der immer freien und verfügbaren persönlichen Steckdose/Wallbox laden kann, sieht das mit hoher Wahrscheinlichkeit anders aus 😊