Ich bin ITler, wenn auch in einem komplett anderen Bereich. Das Problem sind in aller Regel nicht die Entwickler, Techniker und Ingenieure. Mir jedenfalls ist da noch keiner über den Weg gelaufen, der nicht ein Mindestmaß an technischem Sachverstand hatte. Die Leute wissen in aller Regel sehr genau, was ihre Lösung kann, woran gearbeitet werden muss und wo die Reise hingehen sollte.
Das Problem sitzt meistens eher im Management,
- das unsinnige Vorgaben macht, die sich oft auch noch widersprechen, sich ständig ändern, aber um jeden Preis eingehalten werden müssen,
- unrealistische Vorstellungen von Realisierbarkeit und Aufwand hat,
- unfertige Zwischenstände zum fertigen Produkt erklärt,
- die nötigen Ressourcen zur Softwarepflege und Wartung nicht zugestehen will,
- und jedem unsinnigen Hype hinterherläuft, nur weil jeder andere das auch tut.
Und weil das in jeder anderen Firma genauso läuft, macht es auch keinen Sinn, sich was Besseres zu suchen. Es kochen alle nur mit Wasser und um im Management erfolgreich zu sein, muss man offensichtlich eine Flitzpiepe sein. Diesen Flitzpiepen begegnet man dann überall.
Ich habe in den ca. 30 Jahren meines Berufslebens an weniger als einer handvoll richtig guter Projekte gearbeitet, die sauber aufgeplant, durchgezogen, gepflegt und dann richtig beendet wurden. Diese Projekte hingen aber immer an einzelnen guten Leuten. Immer wenn diese Leute dann weg waren (aus Alters- oder Gesundheitsgründen, wegen Firmenverkauf oder -übernahme, oder auch wegen Änderung des Managements), gingen die Projekte auch baden.
Als der VW-Konzern vor ein paar Jahren feststellte, dass er im Softwarebereich den Anschluss verloren hatte, war das richtig. Als sie dann aber erklärten, sie wollen jetzt das Auto-Betriebssystem mal eben komplett neu entwickeln, dachte ich mir meinen Teil. Was bei rausgekommen ist, sehen wir ja alle.
Immerhin machen sie jetzt erstmal was Richtiges: Sie erkenne, dass sie sich verrannt haben und kaufen eine Lösung ein, die schon mal funktioniert. Unglücklicherweise werden sie die in ein paar Jahren auch wieder kaputtgespielt haben...
Und wenn ihr hier eine deutliche Frustration raushört, habt ihr recht. Die ganze IT-Branche ist einfach kaputt. Mein Beruf macht mich schon lange nicht mehr glücklich, im Gegenteil, er macht mich krank. Ich zähle die Jahre bis zur Rente und überlege, wo ich bis dahin noch einen Job als Imker oder Nationalparkranger herbekomme...
Nachtrag: cprbrn war schneller.